Keine Pommes-Picker mehr an der Ostsee

Stellen Sie sich vor, sie liegen mit ihrer Familie an einem schönen Sommertag an einem Ostseestrand oder möchten bei einem ausgedehnten Strandspaziergang im Herbst-Kurzurlaub den Kopf frei kriegen. Was bekommen sie manchmal an den Stränden zwischen dem Treibholz und Muschelschalen zu sehen? Leider Gottes manchmal haufenweise angeschwemmten Plastikmüll. Der sammelt sich eben nicht nur in den oft in den Nachrichten gezeigten Plastikinseln, sondern eben auch in diesen Breiten. In der Region Rostock, die auch wirtschaftlich sehr vom Tourismus abhängig ist, setzt man nun ein Zeichen und ein Plastikverbot auf den Weg bringen. Das berichtet die Ostsee-Zeitung.


„Wir müssen unnötige Plastik-Verpackungen aus unserer Stadt verbannen“, fordert Claus Ruhe Madsen, gegenüber den Lokalzeitung. Madsen ist Präsident der Industrie- und Handelskammer und kandidiert für das Amt des Oberbürgermeisters. Und das ohne, einer Partie anzugehören. Während Madsen das Plastikverbort fordert, arbeitet die Stadtverwaltung bereits an den Richtlinien einer Umsetzung.

„Ab 2019 wollen wir bei Veranstaltungen in Rostock kein Plastik-Geschirr mehr haben“, so Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Als erstes und vor allem auch als ein nach außen weithin sichtbareres Zeichen sollte der Weihnachtsmarkt plastikfrei werden. Eine öffentlichkeitswirksamere Veranstaltung kann man sich als Startpunkt gar nicht vorstellen. Getränke sollen nur noch in Mehrwegbechern über den Tresen gehen.


Rostock ist der Vorreiter in Mecklenburg-Vorpommern, Stralsund zieht nach. Auch in dieser Stadt, die oftmals als „Tor zu Rügen“ bezeichnet wird, arbeitet man an Plänen, eine möglichst plastikfreie Stadt zu bekommen. Bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnis, dass die Plastikfrei-Welle auch auf Deutschlands meist beuchte Insel überschwappt. 5,89 Millionen Übernachtungen gab es im Jahr 2014 auf Rügen. Würde es einen besseren Plastikfrei-Multiplikator als die beliebteste deutsche Urlaubsinsel geben können?

Zurück zum Ausgangspunkt Rostock. Wir müssen Vorreiter werden“, sagt Madsen so gegenüber der Ostsee-Zeitung. Vor allem Feste, Sport- und Musikveranstaltungen sollen plastikfrei werden, sofern sie von der Stadt Rostock oder von ihren Tochterfirmen organisiert würden. Madsen äußert gegenüber der Zeitung auch schon konkrete Ideen: „Bei der Hansesail, auf dem Ostermarkt, beim Basketball in der Stadthalle oder bei Konzerten im Iga-Park: Wir können Veranstaltern in unseren Räumen und auf unseren Flächen ganz einfach die Auflage erteilen, auf Plastik zu verzichten. Stattdessen sollten wir einen Rostock-Becher einführen – einen Pfandbecher, der überall in der Hansestadt akzeptiert wird.“


Was in Rostock angedacht wird, wurde in Warnemünde schon angewendet. Dort dürfen laut Ostsee-Zeitung nur noch umweltfreundliches Bio-Geschirr aus abbaubaren Materialien verwenden. Am Strand hat die Stadt Warnemünde das Sagen. Deshalb kann das Engagement der Städte nur dort greifen, wo sie auch „Hausherr“ sind. Deshalb fordert Rostocks Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) ein bundesweites Verbot von Plastik-Verpackungen her: „Das würde Vieles vereinfachen.“


Innerhalb der Landesregierung werden die Vorstöße jedenfalls begrüßt. Und vielleicht nehmen sich noch mehr Städte ein Beispiel an den Rostockern oder Greifswald. Dort setzten Stadt sowie Gastronomen und Händler das Projekt Pfandbecher-System um.

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